Lernort Goehring: „Ein Bauernhof ist wie eine Schatzkammer“

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Andrea Goehring mit eine ihrer Ziegen
Was ein Hund kann, können meine Tiere auch! Das dachte sich Andrea Goehring, als sie 2010 angefangen hat, tiergestützte Interventionen auf ihrem Lernbauernhof anzubieten. Anfangs wurde die Idee noch belächelt, doch das änderte sich schnell…

Idyllisch auf dem schwäbischen Land liegt der Hof der Familie Goehring. Bäuerin Andrea ist auf dem Hof geboren und aufgewachsen, ihr Mann kommt ebenfalls aus einer landwirtschaftlichen Familie. Sie selbst bezeichnet sich als „Bäuerin aus Leidenschaft“ , denn die gesamte Arbeit liegt ihr sehr am Herzen. „Ich empfinde es als großes Glück mit Tieren auf einem Bauernhof aufgewachsen zu sein. Mein Mann und ich freuen uns umso mehr, dass unsere drei Jungs (Silas 13, Josua 16 und Samuel 17) auch diese elementare Erfahrung machen dürfen.
Doch die Landwirtin wollte mehr erreichen. Sie wollte das Glück eines Hofes auch mit anderen Menschen teilen.

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Der idyllische Hof Goehring

2005 hat Andrea Goehring daher aus ihrem Hof einen Lernort gemacht. „Den Kindern heutzutage fehlt das Wissen, woher unsere Lebensmittel kommen. Selbst auf dem Land gibt es da einen riesigen Rückgang“, stellt sie schockiert fest. Daher war ihr Ziel, den Dorfkindern das Landleben näher zu bringen. „Ich habe mit Regelkindergärten und – schulen gearbeitet. Regelmäßig kamen Klassen aus 25-30 Kindern vorbei und wir haben Äpfel geerntet, Pommes selbst hergestellt oder andere Dinge gemacht, die zum Alltag auf einem Bauernhof gehören“, erklärt die 42-Jährige.

Immer wurde nach den Tieren gefragt

Im Jahr 2005 war der Hof Goehring noch ein rein landwirtschaftlicher Betrieb. „Ein Jahr zuvor haben wir unsere Nutztiere aufgegeben. Wir wollten sie nur biologisch halten, was aber ab einer bestimmten Anzahl innerhalb der Ortschaft hier nicht mehr möglich war“, so Goehring.
Doch bei den Schulklassen kam früher oder später immer die Frage nach den Tieren. Nach der Aufgabe der Tierhaltung gab es jedoch keine Vierbeiner mehr auf dem Hof. „Aber ich habe erkannt, wie wichtig Tiere für die Kinder zu sein scheinen. Ich selbst weiß für mich schon lange, wie wunderbar sie sind und wieviel sie uns geben können“, sagt die Bäuerin. Also suchte sie nach einer anderen Möglichkeit, um Tiere auf den Hof zu halten. Ganz ohne den „Nutzen-Faktor“.

Tiergestützte Therapie mit Hoftieren?
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Die Tiere genießen einen riesigen Auslauf

Mehr durch Zufall stieß Goehring dann 2010 auf das Freiburger Institut für tiergestützte Therapie. Im selben Jahr absolvierte sie dann auch ihre ESAAT-qualifizierte Ausbildung zur „Fachkraft für tiergestützte Therapie und Pädagogik“ bei Herrn Rainer Wohlfarth. „Ich bin da wirklich eher reingerutscht“, erinnert sie sich heute, „Ich habe weder eine therapeutische noch eine pädagogische Grundausbildung.“ Damit gehört Goehring zu einem wirklich sehr geringen Anteil von etwa 3 Prozent, die diese besondere Fortbildung ohne die nötige Grundausbildung absolvieren dürfen. „Damals war ich eine echte Außenseiterin. Die meiste tiergestützte Therapie fand mit Hunden statt. Ich war aber davon überzeugt, dass Hoftiere dazu auch in der Lage sind, schließlich erlebe ich ihre faszinierende Ausstrahlung schon seit meiner Kindheit“, so Goehring. Heute referiert die Bäuerin jährlich über ihre Arbeit und teilt ihre Praxiserfahrung. Immer mehr Leute sind von dem Konzept überzeugt und sie findet stätig neue Anhänger.

Für jedes Kind das passende Tier

Mittlerweile vernachlässigt sie ihren Lernort und konzentriert sich ganz auf die tiergestützten Fördermaßnahmen. „Ich habe einfach das Gefühl, dass die behinderten oder traumatisierten Kinder viel mehr und auch nachhaltig von der Arbeit profitieren“, erklärt sie.
Goehring arbeitet mit dem Körperbehinderten Zentrum Oberschwaben (KBZO) und mit einem Frauenhaus zusammen. Unregelmäßig kommen auch noch Kinder aus einer Blindenschule und anderenBehinderteneinrichtungen. Als Ko-Therapeuten leben zwei Minischweine, zwei Ziegen, fünf Schafe, zwei Esel, Kaninchen und eine Kuh mit Kalb auf dem Hof.

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Kuh Emma

„Ein Bauernhof ist eine Schatzkammer“, schwärmt sie. „Man kann so viel mit den unterschiedlichen Tieren machen, aber auch so viel entdecken und erfahren. Wie gehe ich mit den Tieren um? Was brauchen sie? Und so weiter.“
Da Goehring sowohl mit körperlich eingeschränkten Kindern als auch mit traumatisierten Jungen und Mädchen arbeitet, muss sie immer abwägen, welches Tier am besten für ihre Klienten geeignet ist. „Zur emotionalen Förderung sind zum Beispiel Schafe sehr geeignet, da sie sehr wollig, sanft und gelassen sind. Gerade traumatisierte Kinder aus dem Frauenhaus können ihre eigene Kraft schlecht einschätzen. Wenn sie beim Schaf mal grober in die Wolle greifen, ist das nicht so schlimm. Soll die Motorik gefördert werden, arbeite ich gerne mit Kuh oder Esel. Die Kinder können sie versorgen, bürsten und damit spazieren gehen“, erläutert die dreifache Mutter.

Anfängliche Skepsis hat sich gelegt
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Die zwei Minischweine auf dem Hof

Während Goehring von Beginn an von ihrer Idee überzeugt war, da sie einfach um den positive Wirkeffekt des Tier-Mensch-Kontaktes wusste, hatten manche Eltern noch ihren Zweifel. „Da die Therapie noch nicht von den Krankenkassen übernommen wird, müssen die Eltern es aus eigener Tasche bezahlen, bzw. die Einrichtungen es über Spendengelder finanzieren. Also spielt der finanzielle Aspekt eine große Rolle, aber die Eltern dachten anfangs auch, es sei nur Bespaßung.“ Mittlerweile können sie aber die Erfolge sehen und haben ihre Meinung geändert.

Dreimal pro Woche bietet Goehring auf ihrem Hof die tiergestützte Interventionen an und leistet damit grandioses. Es ist nicht nur die Arbeit mit den Tieren, die den Kindern hilft, sondern auch das gesamte Ambiente drum herum. Andrea Goehring ist Bäuerin aus Leidenschaft, was sich auch in dem liebevollen Umgang mit ihren Tieren zeigt. Die Kinder erleben einen Bauernhof wie aus dem Bilderbuch und arbeiten mit einer Frau zusammen, die ihre Arbeit wirklich liebt.
Wer mehr über den Hof der Familie Goehring erfahren möchte, findet hier genauere Informationen.

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