Buchtipp: Hund & Mensch

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Foto: Brandstätter
„Wie der Hund, so das Herrchen“. In diesem Spruch steckt vielleicht viel mehr Wahrheit, als wir bislang erahnt haben. Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal geht der innigen Beziehung zwischen Hund und Mensch in seinem gleichnamigen Roman auf den Grund

Seit Jahrzehnten gilt der Hund als der beste Freund des Menschen. Er unterstützt uns bei der Arbeit, bewacht unser Hab und Gut und ist stets an unserer Seite. Doch warum genau ist das so? Wieso fühlen wir uns in Gegenwart eines Hundes so wohl?

Sicherlich, die Menschheit scheint sich grundlegend in zwei Gruppen zu teilen: die Katzen- und die Hundeliebhaber. Kurt Kotrschal lässt in seinem Buch die erste Gruppe aber völlig außer Acht und stellt eine gewagte These auf. Der Verhaltensbiologe behauptet, dass der Hund der einzig wahre Seelenverwandte des Menschen ist.

Hundeliebhaber springen jetzt vielleicht freudig auf und sagen „Ha, das hab ich doch schon immer gewusst!“ Kotrschal geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert, dass das Recht auf einen eigenen Hund ein grundlegendes Menschenrecht werden sollte. Doch so romantisch das jetzt alles klingen mag – ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Genetisch ein Affe, seelisch ein Hund

Ersteinmal ist zu erwähnen, dass der Autor kein Unbekannter auf diesem Gebiet ist. Bereits 2014 veröffentlichte der Wiener die beiden Bücher Wolf-Hund-Mensch und Einfach beste Freunde, in denen er sich mit der Entwicklungsgeschichte des Hundes befasst und die Beziehung zwischen Hund und Mensch genauer beleuchtet. In seinem neuen Werk Hund&Mensch geht er bei seiner Hundeliebe noch einen Schritt weiter. Kotrschal lässt durchblicken, dass der Mensch ohne Hund geradezu unvollständig ist.

Dies macht er vor allem daran fest, dass die Vierbeiner ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen stillen: Sozialkontakt. Kein anderes Tier sucht so unsere Nähe und Zuwendung, wie der Hund. Wissenschaftlich betrachtet seien die sozialen Konstrukte unserer Gesellschaft sogar ähnlicher mit den Hierarchien in einem Wolfsrudel, als mit den Verbänden von Primaten. Daher kommt der Autor zu dem Schluss, dass der Mensch zwar genetisch mehr mit den Affen verwandt ist, aber soziologisch und verhaltensbiologisch ähneln wir ganz klar den Hunden.

Ein Hund hält gesund

Behandelt man dieses Thema, kommt man auch nicht umhin zu erwähnen, wieviele positive Auswirkungen das Zusammenleben mit einem Hund hat. Unzählige Studien belegen bereits, dass Hundehalter gesünder sind, weil sie sich mehr an der frischen Luft bewegen. Generell macht der Kontakt zu Tieren emotional stabiler und sorgt für die Reduzierung von Stress. Kinder, die mit einem Hund aufwachsen sind sozial kompetenter und in ihrer Persönlichkeit gefestigter. Und wie die tiergestützte Therapie mit Hunden bereits eindrücklich zeigt, können Vierbeiner bei traumatisierten und verhaltensauffälligen Kindern wahre Wunder bewirken.

Das Gehirn ist auf Natur programmiert

Eine der interessantesten Aspekte in Hund&Mensch ist jedoch Kortschals Äußerung zur Biophilie-Hypothese von E.O.Wilson aus dem Jahr 1984. Derzufolge ist unser Gehirn von Geburt an darauf programmiert, Erfahrungen mit Tieren und der Natur zu machen. Doch in der heutigen immer mehr technologisierten Welt ist dies nur noch selten der Fall. Die traurige Folge sind die wachsenden Zahlen von psychischen Erkrankungen. „Die menschliche Psyche hinkt evolutionär der Entwicklung unserer Gesellschaft hinterher“, schreibt Kotrschal. Erklärt diese Theorie vielleicht den Fakt, dass vor allem in Städten die Anzahl von Hundehaltern steigt?

Hund&Mensch ist für Fans der Vierbeiner ein absoluter Hochgenuss, denn man kommt aus dem zustimmenden Kopfnicken gar nicht mehr raus. An manchen Stellen scheinen die Thesen des Autors etwas zu weit hergeholt, doch überwiegend belegt Kotrschal seine Theorien wissenschaftlich und formuliert sie verständlich und nachvollziehbar. Hund&Mensch ist eine Ode an unsere Fellnasen, bei der in jeder Zeile die Liebe des Autors zu den Vierbeinern mitschwingt. Erhältlich ist das 272-Seiten-Werk für knapp 25 Euro im Internet.

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3 Gedanken zu “Buchtipp: Hund & Mensch

  1. Toller Artikel, der Lust macht, das Buch zu lesen. Aktuell habe ich zu dem Thema auch ein Buch auf meiner „Warteliste“ („Der Hund als Spiegel der Seele“ von S. Hüllenkremer). Es ist absolut spannende, was es in der Hund-Mensch-Beziehung alles zu entdecken gibt (vor allem hinter den Kulissen 😉 )
    Viele Grüße!

    PS: Jetzt ist mir auch mal der Untertitel zu deinem Blogtitel aufgefallen – finde ich sehr, sehr gut ! 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank 🙂 Ja, es gibt unzählige interessante Bücher zu dem Thema, die auch noch darauf warten, von mir gelesen zu werden 🙂 Und immer, wenn ich denke, ich kann nichts Neues mehr zu diesem spannenden Thema erfahren, lerne ich etwas dazu 🙂

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