Rettungshunde: Arbeit, die Hunden Spaß macht

credit: flickr/ Jorbasa Fotografie
Hunde, die blinde Menschen begleiten. Hunde, die Diabetiker an ihre tägliche Dosis Insulin erinnern und viele weitere Supernasen wurden hier bereits vorgestellt. Mit den Vierbeinern der Rettungshundestaffel Breisgau-Ortenau (RHSNBO) wird diese Liste ergänzt. HUMANIMAL hat mit Manuela Rees von der RHSNBO gesprochen

Sie kommen dann zum Einsatz, wenn Menschen in akuter Gefahr sind und müssen dabei oft über ihre eigenen Grenzen hinaus gehen: Die Vierbeiner der Rettungshundestaffel Breisgau-Ortenau sind wahre Helden. Aber auch ihre zweibeinigen Kollegen müssen bei einem Einsatz einiges leisten. Bei kaum einer anderen Arbeit ist es so wichtig, dass Hund und Mensch ein eingespieltes Team bilden

Manuela Rees von der RHSNBO hat HUMANIMAL die wichtigsten Fragen zur Arbeit bei der Rettungshundestaffel beantwortet:

1) Wie sind Sie zu den Rettungshunden gekommen und wie lange sind Sie schon dabei?
Manuela Rees mit ihren beiden Hündinnen Luna und Amy

„In der BRH-Rettungshundestaffel Breisgau-Ortenau bin ich seit März 2009. Auf die Idee, in die Rettungshundearbeit einzusteigen, hatte mich damals meine Hündin Luna gebracht. Sie kam Ende Oktober 2008 zu uns ins Haus und vermittelte mir den Eindruck, dass sie mehr lernen wollte als „Sitz“, „Platz“, „Bleib“. Hundesport kam für mich auf keinen Fall in Frage, also habe ich ein bißchen im Internet gesucht, was es denn sonst noch für Möglichkeiten gibt, etwas Sinnvolles mit dem Hund zu arbeiten. Das war dann mein Erstkontakt mit dem Thema Rettungshunde. Ich habe mir das mal angeschaut, Blut geleckt und bin dabei geblieben.
Für mich ist es eine ideale Kombination: der Hund wird gefordert und hat Spaß dabei, ich kann „Gutes tun“ und habe Spaß dabei und das Mensch-Hund-Team hat eine sinnvolle Beschäftigung, die beiden Spaß macht und der Allgemeinheit nutzt. Was will man mehr?“

2) Wie genau kann man sich die Arbeit der Rettungshunde vorstellen?

„Erst einmal eine kleine Bemerkung am Rande: Für die Hunde ist es keine Arbeit, sondern ein großes Spiel. Jedenfalls sollte es so sein, wenn man die Ausbildung des Hundes entsprechend gestaltet.
Haben Hundeführer und Hund ihre Lehrjahre abgeschlossen und die notwendigen Prüfungen bestanden, darf dieses Mensch/Hund-Team in Einsätze gehen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Flächensuchen, d.h. die Suche nach vermissten Personen in Waldgebieten oder in unwegsamem Gelände.  Ob eine Rettungshundestaffel zur Suche hinzugezogen wird, entscheidet die Einsatzleitung (in der Regel die Polizei), alarmiert werden wir dann über die Integrierte Leitstelle. Vor Ort wird jedem Such-Team (ein Hund, sein Hundeführer und ein Helfer) ein Gebiet zugeteilt, das abgesucht werden muss.  Durchschnittlich sind das 80.000 bis 100.000 m². Der Mensch macht sich dazu einen Plan, wie das Gebiet  am sinnvollsten abgesucht werden kann, den Rest übernimmt der Hund. Er hat gelernt, dass die Aufgabe darin besteht, einen Menschen zu finden und hält mit seiner Nase „Ausschau“ nach menschlichem Geruch. Hat der Hund eine Person gefunden, zeigt er dies seinem Hundeführer an. Die häufigste Form der Anzeige ist das Verbellen, das heißt der Hund bleibt bei der gefunden Person und bellt dort so lange bis sein Hundeführer hinkommt. Eine zweite Form der Anzeige ist das Rückverweisen: der Hund läuft zu seinem Hundeführer zurück, zeigt ihm an „Ich habe Jemanden gefunden“ (dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten) und führt den Hundeführer zurück zu der gefundenen Person.

Eine andere Form der Personensuche ist das so genannte Mantrailing. Dafür werden die Hunde dahingehend ausgebildet, dass sie die Geruchsspur einer ganz bestimmten Person verfolgen sollen. Voraussetzung für diese Such-Variante ist, dass man einen gesicherten Ansatzpunkt hat, das heißt die Stelle kennt, an der die Person zuletzt war bevor sie verschwand. Außerdem braucht man einen Gegenstand, der eindeutig nach dieser Person riecht. Und nur nach dieser Person. Im Gegensatz zum Flächensuchhund, der frei durchs Gelände läuft, bleibt ein Mantrailer-Hund an der Leine.“

3) Was beinhaltet die Ausbildung (sowohl für Mensch, als auch für Tier)?

„Der Mensch muss recht viel lernen, sowohl in Bezug auf die Ausbildung seines Hundes als auch die notwendigen Kenntnisse, um für einen Sucheinsatz optimal vorbereitet zu sein. In der Theorie-Ausbildung finden sich Themen wie Ausbildung eines Rettungshundes (Wie lernt ein Hund?), Suchtaktik, Trümmerkunde, Verhalten im Einsatz, Stressbewältigung, Orientierung (Karte, Kompass, GPS), Funken, Verhaltensmuster vermisster Personen, Erste Hilfe Mensch, Erste Hilfe Hund. Dies alles wird dann auch durch praktische Übungen gefestigt.
Lektion 1 für den Hund – und die Basis für alles Weitere – ist: es ist supertoll einen Menschen zu finden. Ist diese Motivation beim Hund verankert, wird er alles tun, um einen Menschen zu finden. Das ist deshalb so wichtig, weil wir dem Hund nicht beibringen können, wie er seine Nase einsetzen soll. Das muss der Hund von sich aus wollen. Der Mensch ist dann nur noch für die Feinheiten zuständig: die Orientierung im Suchgebiet behalten und den Überblick, wo der Hund genau abgesucht hat oder wo er nochmal „nachschauen“ sollte und ihn dann gezielt dorthin schicken.

Im Grunde gehen wir mit unseren Hunden auf die Jagd – nur ist die „Beute“ kein Wild sondern wir suchen nach Menschen. Dies muss der Hund lernen und natürlich durch viele Übungseinheiten Erfahrung sammeln und so viele unterschiedliche Such-Situationen kennen lernen wie möglich, damit er sich später im Einsatz durch möglichst wenig Umwelteinflüsse ablenken oder verwirren lässt.“ 

4) Hat sich durch die Arbeit bei den Rettungshunden die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Hund verändert? Wenn ja, wie?

„Sehr. Wir sind zu einem Team geworden, das es in dieser Form garantiert nicht geben würde, wenn wir nicht zusammen arbeiten würden. Wir wissen, dass wir uns vertrauen können, und wir kennen die Stärken und Schwächen des anderen. Das meine ich wirklich so: ich bin überzeugt, dass Luna ganz genau weiß, dass sie mir im Riechen haushoch überlegen ist. Und sie spürt  genau, wann ich einen Plan habe und wann nicht.
Luna kam im Alter von ca. 6 Monaten zu mir aus dem Tierheim. Sie war ein relativ ängstlicher und unsicherer Hund und ich bin überzeugt, dass sie durch die Rettungshundearbeit viel Selbstbewusstsein bekommen hat. Ich wiederum habe durch die Arbeit mit ihr und mit Hunden allgemein gelernt, klarer zu kommunizieren  – auch mit Menschen.“

5) Welche Eigenschaften müssen Hund und Mensch mitbringen, damit sie bei den Rettungshunden arbeiten können?

„Der Mensch muss in jedem Fall teamfähig sein und ein gewisses Maß an körperlicher Fitness mitbringen.  Auch psychische Stabilität ist später im Einsatz vonnöten. Und da wir uns sowohl im Training als auch im Einsatz draußen aufhalten, sollte man wetterfest sein und keine Angst im Dunkeln haben.
Und es braucht die Bereitschaft, in einer ehrenamtlichen Tätigkeit Zeit und Geld zu investieren.
Auch der Hund sollte körperlich fit sein, da er in einer Flächensuche große Strecken zurücklegen muss. Aus diesem Grunde sind sehr kleine oder sehr schwere Hunde nicht oder nur bedingt geeignet. Grundsätzlich ist das Wesen des Hundes entscheidender als die Rasse. Wichtig ist, dass der Hund arbeiten will, vor allem, dass er mit seinem Menschen zusammen arbeiten will. Natürlich erleichtert es die Ausbildung, wenn der Hund von Anfang an Menschen gegenüber freundlich zugewandt ist, aber auch Menschen gegenüber eher reservierte Hunde können mit Geduld und positiven Erfahrungen diese Scheu verlieren und gute Rettungshunde werden.“

6) Welche Hunde haben Sie persönlich?
Luna (l.) und Amy

„Ich habe zwei Fellnasen: Luna, eine Mischlingshündin, die mich zur Rettungshundearbeit gebracht hat. Sie wird in diesem Mai 9 Jahre alt. Rettungshund Fläche und Trümmer. Und Amy, 18 Monate, eine Miniature Australian Shepherd Hündin. Rettungshund in Ausbildung.“

Wer mehr über die Arbeit der RHSNBO erfahren möchte, findet auf der Homepage genauere Informationen

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