Adoption: Wie ein Hund mein Leben verändert hat

Eine Trennung, etwas Intuition und Liebe auf den ersten Blick: Mehr brauchte es nicht, um mein Leben innerhalb von wenigen Wochen auf den Kopf zu stellen. Achja…und ein kleines Fellknäuel

Wie positiv die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist, beschreibe ich hier bereits seit mehr als zwei Jahren. Meist anhand von wissenschaftlichen Beiträgen oder weltweiten Projekten. Persönliche Beiträge gab es noch nicht – bis jetzt.
Alles begann Mitte März 2018. Das Ende einer Beziehung hat in mir ein altes Trauma hochkommen lassen, von dem ich nie gedacht hätte, dass es mich nach all den Jahren noch derart negativ beeinflussen würde. Ich fühlte mich so verletzt, hilflos und alleine, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Kurzum: Es war eine sehr schwere Zeit für mich, die ich allerdings mithilfe von meinen Freunden und meiner Familie gut überstanden haben – vielmehr sogar: Ich bin gestärkt daraus hervor gegangen. Und ich hatte einen Entschluss gefasst: Endlich auf mich achten. Herausfinden, was Ich möchte und was mir gut tut.

Tierschutzverein Freiburg: Auf den Hund gekommen

In einem Blogpost und auch in einem Video habe ich hier bereits erwähnt, wie wichtig mir meine regelmäßigen Besuche im Tierheim sind und wie glücklich ich darüber bin, dass ich mit Hunden in meinem Umfeld aufgewachsen bin. Ich wusste also: Tiere, insbesondere Hunde, tun mir wahnsinnig gut. Doch einen eigenen Hund hatte ich noch nie – und das war eigentlich so bald auch nicht der Plan. Aber wie heißt es so schön: Menschen machen Pläne, Gott lacht.

Durch Zufall bin ich auf der Homepage des Tierschutzvereins Freiburg auf eine externe Vermittlung der Dobermann Nothilfe gestoßen: Der kleine Pompon wurde im Alter von vier Woche bei einem polnischen Tierheim einfach über den Zaun geworfen. Irgendwann im September geboren, kam er Ende Februar auf eine Pflegestelle nahe Freiburg. Er hatte mich sofort verzaubert und aus einem Impuls heraus, schrieb ich die Vermittlerin an. „Schadet ja nicht“, dachte ich mir und ich war sowieso davon überzeugt, dass der Kleine Kerl schon längst vermittelt war – aber weit gefehlt.

Das erste Kennenlernen: „Eine kleine Sensation!“

Eines führte zum anderen und nur eine Woche später besuchte ich gemeinsam mit einer Freundin Pompon auf seiner Pflegestelle. Vorab wurde ich am Telefon bereits vorgewarnt, dass er sehr ängstlich sei und ich mich nicht wundern soll, wenn er nicht auf mich zukommen würde. Aber Hundi war anderer Meinung und hat nach einer anfänglichen Beobachtungszeit, meine Hand abgeleckt und sich streicheln lassen. „Eine kleine Sensation“, nannte es die Frau von der Pflegestelle – und ich war hin und weg. Der Gedanke „ich adoptiere einen Hund“ wurde konkreter zu „ich adoptiere Pompon“ und nach dem ersten Treffen leitete ich alles weitere in die Wege: Ich versicherte mich bei meiner Arbeitsstelle, dass ich ihn mitbringen dürfte (viele Kollegen waren mehr als begeistert von einem „Redaktionshund“), ich füllte alle nötigen Formulare aus, checkte meine Finanzen und drei Wochen nach unserem ersten (und einzigen) Treffen, holte ich Pompon zu mir nach Hause.

Hundeerziehung mit „Netflix and Chill“

Die 90-minütige Autofahrt war eine kleine Tortur: er musste brechen, pinkelte sich ein und winselte anfangs erbärmlich – kein Wunder, wurde er doch schon wieder aus seiner gewohnten Umgebung gerissen. Pompon war nicht klar, dass ein Hund ein Leben führen kann, in dem der Fokus ganz auf ihm liegt, mit einem Frauchen, das sich nur um ihn kümmert. Immerhin lebten auf der Pflegestelle noch sechs eigene Hunde der Familie. Und wie mir deutlich gemacht wurde, wurde klar unterschieden zwischen eigenem Hund und Pflegehund: Pompon bekam das Futter, was gerade da war (im Alter von sieben Monaten sollte er eigentlich noch Welpenfutter bekommen), er durfte nicht ins Wohnzimmer und ausführliche Gassigänge gab es auch nicht. „Das nötigste vom Nötigen“ hieß es zu mir. Aber da der Kleine Kerl es nur so kannte, dachte er natürlich, dass sein Leben so auszusehen hat. Und ich hatte Sorge, dass er sein künftiges Leben bei mir daher nicht akzeptieren würde. Doch ich war überzeugt, ihm seinen Einstieg so gemütlich wie möglich zu machen. Schon eine Woche vorher hatte ich sein Bettchen und seine Näpfe aufgestellt und seine Decke auf dem Sofa ausgebreitet – er sollte sich von Beginn an willkommen fühlen. Und der Plan ging auf.

Nach der Autofahrt führte ich ihn in meine Wohnung und ließ ihn erstmal in Ruhe alles beschnuppern. Anschließend lockte ich ihn aufs Sofa auf seine Decke und zu meiner großen Verwunderung nahm er das Angebot dankend an. So verbrachten wir die ersten gemeinsamen Stunden mit „Netflix and Chill“. Ich war so erleichtert! Wieviele Stunden hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich den ersten Tag am besten gestalten sollte, wie ich mich verhalten sollte und was Pompon darf oder nicht darf. Dabei war alles so einfach: Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, damit er merkt, dass er bei mir völlig entspannt sein kann, weil ich alles im Griff habe.
Nach unserem Nickerchen gingen wir spazieren und ich merkte, dass der Kleine nichts kannte: weder Autos, noch Fahrräder oder Menschen mit Regenschirmen. Aber ich lief einfach ganz normal, wie ich sonst auch spazieren gehe und Filou, wie ich ihn nenne, verließ sich auf mich. Er begriff, dass ich die Verantwortung trage, dass er nichts zu befürchten hatte, wenn ich bei ihm bin und fortan hatte ich einen vierbeinigen Schatten.

Sonntagmorgen um fünf: „Mama, ich muss mal“

Auch wenn ich mir erstmal eine Woche Urlaub genommen hatte, so gestaltete ich die Wochentage genau so, wie während der Arbeit. Einfach, damit sich Filou an seine künftige Routine gewöhnen kann. Sprich: Morgens um 6 Uhr aufstehen, frühstücken, zur Arbeit laufen. Der Kleine begriff unfassbar schnell, wie mein Alltag so ablief und schlug sich hervorragend. Sicherlich gab es noch die ein oder andere ungewohnte Situation (Fahrstuhlfahren, Schubladen, Bürostühle, Staubsauger…), aber sein Vertrauen in mich war wohl ungebrochen. Auch die Probestunden auf Arbeit verliefen einwandfrei – er schaute sich das Büro interessiert an und legte sich anschließend mit einem Pferdehuf oder Rinderohr zum Knabbern unter den Schreibtisch.

Doch nicht nur Filou musste sich an meine Welt, an meine Abläufe anpassen. Auch ich bekam langsam einen Einblick in die Welt der Hunde und lernte einiges dazu. Zum Beispiel, dass ich fortan mit einem kurzbeinigen Vierbeiner an meiner Seite nicht mehr ganz so zügig laufen konnte, wie sonst – das laugte den Kleinen einfach zu schnell aus (und das auch noch bei 30 Grad). Und ich begriff: Ein Hund unterscheidet nicht zwischen Arbeitstag und Wochenende. Daher hieß es am Sonntagmorgen um 5 Uhr morgens „Mama, ich muss mal raus!“.
Immerhin ist Filou schon stubenrein (wobei er bei meinem Balkon erst noch lernen musste, dass dieser Teil auch noch zur Wohnung gehört) und machte sich durch Winseln bemerkbar – doch für mich war die Nacht nun vorbei.

Parasiten und die ersten „Muttersorgen“

Auch wenn die Tierschutzorganisation zu mir meinte, dass ich mit Filou erstmal nach einer Eingewöhnungszeit von ein paar Wochen zum Tierarzt soll, so beschloss ich, gleich am zweiten Tag den Weg dorthin zu gehen. Denn zu meinem Entsetzen habe ich am Tag der Abholung erfahren, dass der Kleine Kerl bei der Pflegestelle während seinem Aufenthalt nichts gegen Flöhe oder Zecken bekommen hatte. Ein natürliches Zeckenmittel hatte ich mir bereits besorgt, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen – und wieder hatte mein Bauchgefühl mich nicht getäuscht.
Neben einem Mittel gegen Flöhe gab mir die Tierärztin auch eine Wurmkur mit, die ich gleich am Folgetag startete. Filou bekam sofort Durchfall und es kamen einige unliebsame „Mitbewohner“ zum Vorschein (zum Glück schon abgestorben).
Ich war völlig schockiert! „Mein armes Baby“, dachte ich. Und gleichzeitig war ich auch ziemlich wütend auf die Pflegestelle, denn allem Anschein nach, hatte er dort auch nichts gegen Würmer und dergleichen bekommen. Zwar ist Filou sonst fit, tobt herum und laut Tierärztin auch kerngesund, aber er ist mit seinen 7 Monaten immernoch ein Welpe und bedarf gerade wenn es um Würmer geht noch besonderer Aufmerksamkeit.

Knapp zwei Tage lang hing Filou ein bisschen in den Seilen. Er rührte sein Futter nicht an, hatte Durchfall und zum Trinken musste ich ihn locken. Ab und an kaute er auf seinem Spielzeug rum aber eigentlich schlief er die meiste Zeit. Und ich entdeckte in mir ein völlig neues Gefühl: mütterliche Sorge. Ich ertappte mich dabei, wie ich Filou mit ganz anderen Augen beobachtete. Wachsamer. Jedes Kratzen, jedes Niesen hinterfragte ich. Auch in den Nächten schlief ich merklich unruhiger, lauschte jedem Geräusch und schlich mich sogar an sein Körbchen um zu sehen, ob es ihm gut ging.
Schlussendlich erholte er sich ziemlich schnell und war wieder der gewohnte Strolch, so wie ich ihn liebe. Auch meine Sorgen haben sich gelegt, doch meine mütterlichen Instinkte waren geschärft. Beim Gassigehen achtete ich verstärkt darauf, woran er schnüffelte und dass er nichts in den Mund nahm. Denn mir wurde immer deutlicher bewusst: der Kleine Kerl verlässt sich wirklich voll und ganz auf mich, vertraut mir und liebt mich bedingungslos und es ist meine Aufgabe, dem Tag für Tag gerecht zu werden. Und dazu bin ich bereit.

Abschließend bleibt zu sagen: Ich habe in Filou das gefunden, was mir von Herzen gut tut, was mich erfüllt und ich bereue die Entscheidung kein bisschen. Viele Freunde sagten mir: „Das ist so lieb von Dir, dass Du den Kleinen gerettet hast. Der hat es jetzt gut bei Dir“. Und das stimmt. Aber genau so gilt es auch anders rum. Dank Filou bin ich wieder ein Stückchen gewachsen, lerne jeden Tag dazu und freu mich jeden morgen (auch Sonntags um 5 Uhr früh), dass ich als erstes Filou sehe, wie er sich freut, dass ich da bin. Sicherlich war es auch eine Umstellung für mich, denn bislang musste ich nur für mich sorgen und das machen, was ich will. Und jetzt bekommt zuerst Filou sein Futter und ich achte darauf, dass es ihm gut geht. Doch im Vergleich dazu, was mir der Kleine Kerl zurück gibt, ist es das mehr als wert.

PS: In meinem Bekanntenkreis wurde ich oft gefragt, ob es denn artgerecht sei, dass ich Filou mit ins Büro nehme. Schließlich sei das ja „total langweilig für ihn, wenn er da die ganze Zeit nur rumliegt“. Tatsächlich habe ich das auch lange gedacht. „Ein Hund im Büro ist doch Tierquälerei. Der braucht Action.“ Doch im Zuge der Adoption habe ich mich viel mit der Thematik auseinandergesetzt und sage heute: Zu viel Action ist Tierquälerei. Fakt ist: Ein Hund braucht bis zu 20 Stunden Ruhe am Tag, ein Welpe sogar noch mehr. Sprich: Mit seinen Gassigängen von 2 bis 3 Stunden täglich ist das natürliche Aktivitätslevel von Filou bereits gedeckt. Und auf Arbeit liegt er ja auch nicht nur 8 Stunden entspannt rum…mal läuft er umher und schnüffelt, mal kaut er auf einem Kaninchenohr rum. Wenn wir dann nach Feierabend zuhause ankommen ist meist nur noch Sofa und ein kurzer Spaziergang angesagt. Denn ein Hund braucht Ruhe. Doch wir Menschen haben den Tieren im Laufe der Zeit für unsere Zwecke ihr natürliches Ruhebedürfnis „abgezüchtet“. Daher ist es nun unsere Pflicht, dem Hund aktiv Ruhe zu geben. Von sich aus würde ein Vierbeiner nämlich niemals „nein“ zum Toben oder Gassigehen sagen – schließlich will er nichts verpassen.
Und mal ehrlich: ein gemeinsamer Fernsehabend auf dem Sofa mit seinem geliebten Vierbeiner ist doch gar nicht so verkehrt.

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